Schönen Sonntag, liebe Börsianer. Gestern habe ich im Handelsblatt einen Doomsday-Artikel gelesen: „Ab sechs Prozent beginnt der Zerstörungsprozess. Was der Welt nach dem Zins-Schock bevorsteht.“ Und genauso pessimistisch geht es bei WELT weiter: „Verwerfungen am Anleihemarkt. Ray Dalio geht short – wie die Wall-Street-Legende jetzt auf den Crash wettet!“
Dazu müssen Sie wissen, liebe Börsianer, dass sich Crashankündigungen im Schnitt etwa einmal pro Jahrzehnt bewahrheiten. Mit der Kausalität verhält es sich aber so wie mit der berühmten kaputten Uhr, die zweimal am Tag die richtige Uhrzeit anzeigt.
Dennoch denke ich regelmäßig darüber nach, wie ich mich als Börsianer in einer Welt voller Staatsschulden positioniere. Die Zinsen erreichen ungeahnte Höhen. Langlaufende Meta-Anleihen (WKN A3LB4W) bieten Renditen von 7 %. Krass.
Ich bereite mich auf höhere Schwankungen am Aktienmarkt vor und erhöhe meine Cashbestände. Ich erinnere hier an meine Faustregel: Wem die Schwankungen am Aktienmarkt schlaflose Nächte bereiten, der sollte seinen Cashbestand erhöhen. Die richtige Aktienquote ist die, die mich ruhig schlafen lässt.
Sorgen bereiten mir vor allem Europa und Frankreich. Die Schulden Frankreichs belaufen sich mittlerweile auf fast 3,6 Billionen Euro. Das entspricht rund 119 % des BIP. Besonders problematisch ist, dass Frankreich für 2026 erneut auf ein Haushaltsdefizit von etwa 5,4 % des BIP zusteuert. Die Politik unternimmt keine ausreichenden Anstrengungen mehr, das Defizit über Sparmaßnahmen in den Griff zu bekommen. Die Politik in Europa hat kapituliert, sie ist reformunfähig geworden. Aus Angst davor, Wählerstimmen von alimentierten Gruppen zu verlieren, lässt man die Verschuldung einfach weiter eskalieren.
Wie geht es weiter mit den Anleiherenditen? Ich gehe davon aus, dass die EZB bereits 2027 für Staatsanleihen aus Frankreich einen Zinsdeckel nach oben definieren könnte. Zum Beispiel 5 % Maximalzins bei 10-jährigen Anleihen. Mein Szenario: Wenn diese Marke überschritten wird, interveniert die EZB und nimmt französische Staatsanleihen in die eigene Bilanz. Die Folge wird eine schnellere Geldmengenausweitung und eine höhere Inflation sein.
Ich sehe schwarz für Europa. Ich setze voll auf die US-Wirtschaft, auf das Land der Tech-Unternehmer und des Kapitalismus. Ich gehe von einer Euro-Abwertung bis 2030 aus. Darum investiere ich Cashbestände u.a. in den Xtrackers II USD Overnight Rate Swap (WKN DBX0A0). Der Fed-Leitzins liegt derzeit bei 3,75 bis 4,00 %.
Zudem kaufe ich 30-jährige US-Staatsanleihen, die derzeit rund 5,6 % Rendite im Dollarraum bieten, sowie einen Korb aus 10-jährigen Unternehmensanleihen, der mit rund 6 % verzinst wird. Auch in den USA ist die Staatsverschuldung mit voraussichtlich rund 126 % des BIP im Jahr 2026 ausgesprochen hoch. Aber anders als in Europa setze ich darauf, dass die dynamische amerikanische Wirtschaft und der technologische Fortschritt zusätzliche Wachstumskräfte entfalten. KI, Robotik und die Innovationskraft der amerikanischen Tech-Konzerne werden dafür sorgen, dass die USA aus ihren Schuldenproblemen zumindest teilweise herauswachsen.
Bei Gold rechne ich mit einer realen Rendite von über 10 % pro Jahr. Ich bin unter anderem im EUWAX Gold Core (WKN EWG4CR) positioniert.
Auch die Aktienmärkte bieten langfristig Schutz vor Inflation. Man darf nicht den Fehler machen, aus Angst vor den Staatsschulden die Aktienquote dauerhaft zu reduzieren.
