Die Bubble erst erschafft die Realität

Guten Morgen, liebe Börsianer, ich blicke auf den Aktienkurs von SpaceX und empfinde ein angenehmes Glücksgefühl. Nicht etwa, weil ich zu den Frühphasen-Investoren zähle, die ihr Kapital vervielfacht haben, sondern weil ich die Geburtsstunde der multiplanetaren Raumfahrt erlebe.

Als Jugendlicher habe ich nahezu jede Folge von Star Trek verschlungen. Heute, im Jahr 2026, bricht die Menschheit tatsächlich auf, um das Weltall im großen Stil urbar zu machen. Ein herzlicher Dank gilt daher allen SpaceX-Investoren, die diesen Fortschritt ermöglichen.

Betrachtet man die nackten Zahlen, liegt bei einem Börsenwert von 2,5 Billionen USD und einem erwarteten Umsatz von etwa 20 Mrd. USD eine klassische „Bubble-Bewertung“ vor. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von sportlichen 125 ist objektiv schwer zu rechtfertigen. Aber was bedeutet das eigentlich für uns? Es bedeutet zweifellos enorme Risiken für Anleger. Doch man muss die Medaille von beiden Seiten betrachten: Eine Blase hat oft auch eine bemerkenswert produktive, ja schöpferische Seite.

Zunächst einmal ist eine Bubble ein Symptom für gigantische Kapitalflüsse. Inklusive Greenshoe dürfte Elon Musk für SpaceX 85,7 Mrd. USD eingesammelt haben. Damit ist er nun in der Lage, seine unternehmerischen Pläne zu erfüllen. Was wir hier beobachten, ist eine der faszinierendsten Ausprägungen des kapitalistischen Systems: Kapital wird zur Initialzündung für den Fortschritt. Die Träume von Elon Musk werden erst dadurch zur physischen Realität, weil ihm der Kapitalmarkt das notwendige Vertrauen entgegenbringt.

In der Ökonomie sprechen wir hier von Reflexivität. Das ist eine wechselseitige Rückkopplung zwischen der subjektiven Erwartungshaltung der Anleger und der tatsächlichen Unternehmensentwicklung. Investoren handeln selten rein objektiv. Sie agieren auf Basis von Hoffnungen, Stimmungen und Visionen. Wenn diese Euphorie in konkrete Kaufentscheidungen mündet, entsteht ein Kapitalstrom, der die Welt buchstäblich verändern kann.

Wir erschließen den Weltraum heute nicht, weil eine bürokratische Regierungsbehörde es so beschlossen hätte, sondern weil ein wagemutiger Unternehmer im Jahr 2002 ins Risiko ging und SpaceX gründete. Schön, einfach schön.

Und die nächste Bubble steht bereits in den Startlöchern: humanoide Roboter. Auch hier wird die Technologie nicht kommen, weil sie irgendwann logisch ist, sondern weil Milliarden an Investorengeldern in ihre Entwicklung fließen, die den Prozess massiv beschleunigen. Am Ende profitiert die Menschheit von diesem kollektiven Optimismus. Aus dem Wagemut der Anleger entsteht die Realität von morgen.

Fazit: Wir Börsianer gestalten mit unseren Entscheidungen die Zukunft. Das ist ein erhabenes Gefühl.

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