Was antwortet man einem Sozialisten, der Unternehmer als Ausbeuter bezeichnet

Liebe Freunde der Marktwirtschaft,

Ich greife erneut (wie im letzten Blogpost) die spannende Diskussion von Brivael auf X mit Anhängern der Linken auf, die den Marxismus für eine sinnvolle Gesellschaftsform halten und Unternehmer, die Millionen verdienen, moralisch verteufeln. Ich übersetze dafür die Beiträge aus dem Französischen ins Deutsche.

@Human1114112: Bernard Arnault schafft Milliarden an Wert nicht, weil er ‚ausbeutet‘. Der Wert wird durch Koordination geschaffen, nicht durch Diebstahl extrahiert.“

Kannst du uns ein bisschen mehr über diese Koordination erzählen, die es wert ist, viertausend Mal den Mindestlohn zu bekommen?

@brivael: Gute Frage, ich erkläre es dir gerne.

Zunächst einmal enthält deine Frage bereits den Fehler, den wir gerade widerlegt haben. Du vergleichst ein Gehalt (Vergütung der Zeit) mit einer unternehmerischen Wertschöpfung (Vergütung des riskierten Kapitals und der Koordination). Das sind nicht dieselben Dinge. Es ist, als würde man fragen: „Warum kostet ein Kilo Safran 4000 Mal mehr als ein Kilo Kartoffeln, sie wiegen doch gleich, oder?“ Die Menge (an Arbeit, an Gewicht) bestimmt nicht den Wert.

Zweitens: Arnault „verdient“ nicht 4000 Mindestlöhne in bar jeden Monat. Sein Vermögen ist die Börsenbewertung der Aktien, die er in den Unternehmen hält, die er aufgebaut oder übernommen hat. Wenn er alles morgen verkaufen würde, würde der Markt zusammenbrechen und das „Vermögen“ verschwinden. Dieser Wert existiert nur, weil Millionen von Menschen freiwillig Produkte von LVMH kaufen, weil sie diese mehr schätzen als das Geld, das sie dafür ausgeben. Niemand wird gezwungen, eine Vuitton-Tasche zu kaufen.

Nun zur Koordination im Konkreten. Arnault leitet ein Unternehmen mit 213.000 Mitarbeitern, 75 Marken, präsent in 80 Ländern. Er hat ein Textilunternehmen am Rande des Bankrotts (Boussac, 1984) in den weltweit führenden Luxuskonzern verwandelt. Das bedeutet, strategische Entscheidungen über Jahrzehnte zu treffen, Kapital für Wetten auf 10–20 Jahre aufzunehmen und zuzuweisen, Talente zu rekrutieren und zu halten, die anderswo ein Vermögen wert sind, globale kulturelle Trends vorauszusehen, Krisen zu managen (2008, Covid, Handelskrieg mit China), wöchentlich zwischen Tausenden widersprüchlicher Prioritäten zu entscheiden.

Diese Kompetenz ist außergewöhnlich selten. Deshalb ist sie außergewöhnlich vergütet. Nicht per Dekret, sondern durch den Markt. Wenn es einfach wäre, gäbe es Tausende davon. Es gibt weltweit eine Handvoll.

Und vor allem: Der Punkt, den alle übersehen. Wenn Arnault 100 Milliarden Wert schafft, „nimmt“ er nicht 100 den Arbeitern weg. Er behält einen Bruchteil (seinen Anteil am Kapital), die Mitarbeiter verdienen ihre Gehälter (die zu den höchsten im Sektor gehören), der Staat kassiert Dutzende Milliarden an Steuern und Abgaben, Lieferanten werden bezahlt, Kunden erhalten Produkte, die sie mehr schätzen als das, was sie zahlen (sonst würden sie nicht kaufen), und die Aktionäre (einschließlich Millionen Rentner über ihre Pensionsfonds) erhalten Dividenden.

Es ist ein positives-Summe-Spiel. Jeder gewinnt dabei. Sonst würde niemand freiwillig mitmachen.

Das marxistische Nullsummen-Denken („Wenn er viel hat, hat er anderen weggenommen“) basiert auf einer vorindustriellen Sicht der Wirtschaft, in der der Kuchen fest war. Seit 200 Jahren wächst der Kuchen. Das globale Pro-Kopf-BIP hat sich seit 1820 vervielfacht – um den Faktor 15. Das ist nicht durch Umverteilung eines festen Kuchens passiert, sondern indem man Unternehmern erlaubt hat, neue Kuchen zu backen.

Zum Abschluss: In Frankreich haben wir zu wenige Bernard Arnaults. Wir sollten Dutzende mehr haben, besonders in der Tech-Branche. Heute ist der Einzige, der in der französischen Tech wirklich erfolgreich war, Xavier Niel, und er ist sehr, sehr allein. Wenn wir Dutzende Xavier Niel hätten, gäbe es mehrere Station F, viel mehr finanzierte Startups, einen viel gesünderen Ökosystem, und vor allem Hunderttausende besser bezahlte Jobs mehr.

Das Problem Frankreichs ist nicht, dass wir zu viele Reiche haben. Es ist, dass wir zu wenige haben.

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