Warum kauft Elon Musk nicht einfach Mercedes?

Guten Morgen, liebe Börsianer. Warum kauft Elon Musk nicht einfach Mercedes? Finanziell wäre das für ihn ein Leichtes. Der einst so stolze deutsche Automobilkonzern bringt heute nur noch 38 Mrd. € auf die Börsenwaage. Mercedes ist an der Börse nur noch ein Schatten seines früheren Selbst. Das erwartete KGV liegt bei 7,3, die Dividendenrendite bei 8,3 %. Die niedrigen Bewertungsmultiplikatoren vermitteln eine düstere Botschaft: Die Börse traut Mercedes nicht zu, in der Zukunft zu bestehen.

Ganz anders Tesla. Mit einem Börsenwert von 1,25 Bio. € ist der amerikanische Elektroautopionier fast 33-mal so wertvoll wie Mercedes. Eine Kapitalerhöhung um rund 5 % könnte Tesla theoretisch genügend Geld in die Kasse spülen, um Mercedes zum aktuellen Börsenwert samt Übernahmeprämie zu erwerben. Die Finanzmärkte verleihen Elon Musk eine gewaltige Macht: Er könnte mit vergleichsweise geringer Verwässerung einen der traditionsreichsten Automobilkonzerne der Welt übernehmen.

Hinzu kommt die Aktionärsstruktur. Fast 80 % der Mercedes-Aktien befinden sich im Streubesitz. Ein kontrollierender Großaktionär, der eine Übernahme im Alleingang verhindern könnte, existiert nicht. Ein öffentliches Übernahmeangebot wäre damit zumindest theoretisch denkbar. Was spricht dafür?

  1. Tesla könnte Mercedes über Nacht zum Technologieführer machen. Tesla verfügt mit FSD über eine der ambitioniertesten Softwarearchitekturen für autonomes Fahren. Die Robotaxi-Technologie wird bereits in ersten US-Märkten ausgerollt. Nach einer Übernahme könnte Tesla seine FSD-Technologie schrittweise in Mercedes-Fahrzeuge integrieren. Man stelle sich vor: Eine Mercedes S-Klasse, die ihren Besitzer autonom zum Flughafen bringt und anschließend selbstständig zurückfährt. Mercedes hätte plötzlich ein technologisches Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen traditionellen Autobauern. Tesla würde im Gegenzug Zugang zu einer weltweit etablierten Premiummarke erhalten.
  2. Tesla betreibt in Europa bereits mehr als 22.000 Supercharger-Ladeplätze. Eine gemeinsame Nutzung und ein beschleunigter Ausbau könnten beiden Marken zugutekommen. Ich gehe davon aus, dass Schnellladestandorte langfristig weit mehr sein werden als einfache Stromtankstellen. Sie könnten sich zu attraktiven Verkaufs- und Servicestandorten mit Gastronomie, Einzelhandel und weiteren Dienstleistungen entwickeln. Wer das Ladenetz kontrolliert, kontrolliert möglicherweise einen wichtigen Teil der künftigen Wertschöpfung rund um das Automobil.
  3. Tesla und Mercedes könnten gemeinsam gigantische Skaleneffekte erzielen. Im Elektroautomarkt wird langfristig nicht nur die beste Software entscheidend sein, sondern auch die Fähigkeit, Fahrzeuge zu konkurrenzfähigen Preisen zu produzieren. Chinesische Hersteller setzen die etablierten Autobauer zunehmend unter Druck. Tesla und Mercedes könnten ihre Einkaufsmacht bündeln, gemeinsame Batterieplattformen entwickeln und Produktionskapazitäten effizienter auslasten. Gerade bei Batterien, die einen erheblichen Teil der Fahrzeugkosten ausmachen, könnten sich dadurch enorme Kostenvorteile ergeben.

Warum wird Elon Musk Mercedes vermutlich trotzdem nicht kaufen?

Ich sehe vor allem zwei große Hindernisse. Erstens steht Mercedes für eine Konzernbilanz mit einer Gesamtverschuldung von rund 170 Mrd. €. Ein erheblicher Teil davon entfällt zwar auf das Finanzierungsgeschäft, dennoch müsste ein Käufer die komplexe Bilanzstruktur übernehmen und die damit verbundenen Risiken bewerten.

Zweitens ist da der Wirtschaftsstandort Deutschland. Schnelle und tiefgreifende Restrukturierungen lassen sich hierzulande aufgrund des Arbeitsrechts, der Mitbestimmung und politischer Widerstände nur schwer durchsetzen. Man stelle sich das politische Drama vor, wenn Elon Musk ankündigen würde, Mercedes zu übernehmen und anschließend Tausende Arbeitsplätze abzubauen.

Mein Fazit: Krass finde ich, dass die Finanzmärkte Tesla mittlerweile einen fast 33-mal so hohen Börsenwert zugestehen wie Mercedes. Warum? Tesla wird von einem begnadeten Unternehmer geführt. Mercedes hatte zuletzt immer CEOs, die eher Verwalter als disruptive Unternehmer sind.

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