Schönen Nachmittag, liebe Börsianer. Heute um 11:52 Uhr habe ich auf WhatsApp eine Nachricht mit dem Absender „Amazon“ erhalten. Ein Blick auf die Details zeigt, dass es sich um das verifizierte Unternehmenskonto von Amazon handelt. In der Nachricht werden 40-prozentige Black-Friday-Rabatte auf De’Longhi-Kaffeemaschinen beworben. Das wäre ein drastischer Kurswechsel der beiden Tech-Giganten Amazon und Meta.
Amazon hat bislang die Philosophie verfolgt, keine unaufgeforderten Werbenachrichten oder Angebote über WhatsApp zu verschicken.
Meta wiederum war bisher sehr zurückhaltend mit dem Abschluss großer „Werbedeals“ für die WhatsApp-Business-Kanäle. Die Nachrichten, die Unternehmen versenden, landen nämlich direkt in der WhatsApp-Hauptkategorie „Chat“ – einem der wertvollsten Werbeplätze der Welt. Ich schreibe „Werbung“ bewusst in Anführungszeichen, weil Meta bei der Übernahme von WhatsApp den EU-Kartellbehörden zugesagt hat, keine klassische Werbung in WhatsApp zu schalten.
Über das Konzept „WhatsApp Business“ versucht Meta nun, diese Vorgaben klug zu interpretieren. Meta lässt sich jede Nachricht, die Unternehmen direkt an ihre Kunden in der WhatsApp-Chatübersicht ausspielen, teuer bezahlen. Täglich nutzen etwa 58 Millionen Menschen in Deutschland WhatsApp als Messenger. Unternehmen können über WhatsApp zielgerichtget nahezu die gesamte Erwerbsbevölkerung in Deutschland erreichen. Einen besseren Werbeplatz gibt es wohl kaum.
Meta trieb bislang die Sorge um, dass Nutzer abwandern könnten, wenn zu viele Werbenachrichten im WhatsApp-Chat auftauchen. Möglicherweise hat der jüngste Kurssturz der Meta-Aktie von 800 auf 600 USD dazu geführt, dass sich Mark Zuckerberg zu einem Strategiewechsel entschlossen hat und die Monetarisierung von WhatsApp nun offensiver angeht. In Asien ist Online-Shopping über WhatsApp längst gang und gäbe: Dort kommunizieren Online-Shopper per Messenger mit menschlichen Mitarbeitern, lassen sich beraten und tätigen dann den Kauf.
In Europa und den USA funktioniert dieses Modell wegen der höheren Lohnkosten bisher nicht. Zuckerberg sieht jedoch die gigantische Chance, WhatsApp auch im Westen für den E-Commerce zu öffnen, insbesondere dann, wenn die Kundenberatung von gut trainierten KI-Agenten übernommen wird.
Meine Einschätzung: Ich bin Meta-Aktionär und bleibe trotz des Kurssturzes investiert. Die Monetarisierung von WhatsApp wird gelingen, es ist nur eine Frage der Zeit. Auf große Kunden wie Amazon zu setzen, die plötzlich in meinen Chatnachrichten auftauchen, ist aus meiner Sicht die richtige Strategie. Solche drastischen Rabattangebote empfinde ich nicht als störende Werbung, sondern als nützliche Information.