Schönes Wochenende, liebe Börsianer! Nach der Verkaufswelle im amerikanischen Technologiesektor gehe ich auf Schnäppchensuche. Ich hätte vor zwei Jahren nicht gedacht, dass Aktien wie Salesforce wieder mit einem erwarteten KGV von 16 zu haben sein würden. Ich studiere die Tabellen. Die Überbewertungen im Softwaresektor sind verschwunden. Es bleibt die Angst, ob die Geschäftsmodelle im KI-Zeitalter zukunftsfähig sind.
Auch viele deutsche Aktien wurden von der „KI-frisst-die-Welt“-Angst mit in die Tiefe gerissen. IONOS hat nach der Kurshalbierung meine Aufmerksamkeit geweckt: Das KGV für 2026e beträgt nur noch 11,6. Dabei war das Webhosting-Geschäft von IONOS in den letzten 20 Jahren ein Garant für Stabilität.
Wenn ich mir eine abgestürzte Aktie ins Depot lege, muss ich folgende Frage sicher beantworten können: Wird es dieses Geschäftsmodell in fünf Jahren noch geben? Oder wird die KI es verschlungen haben?
Man darf Preissignale an den Kapitalmärkten nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Markt fungiert als eine Art kollektive Superintelligenz; er erkennt zukünftige Realitäten meist deutlich früher als die Masse der Marktteilnehmer. Die NVIDIA-Rally der letzten fünf Jahre ist dafür ein Paradebeispiel im positiven Sinne.
Die Stimmen derer, die NVIDIA notorisch als Blase bezeichneten, unterlagen einem kolossalen Irrtum. Der NVIDIA-Gewinn stieg von 2,8 Mrd. USD im Jahr 2020 auf 72,9 Mrd. USD im Jahr 2025. Für dieses Geschäftsjahr werden bereits 113 Mrd. USD Gewinn erwartet. Der Markt erahnte dieses Potenzial schon, als es kaum jemand für möglich hielt.
Die Bedrohung durch Manus AI
Ich frage mich also: Warum schickt der Markt die IONOS-Aktie derart auf Talfahrt? Ich verstehe es, nachdem ich mich gestern mit den Features von Manus AI beschäftigt habe. Manus AI ist ein hochmoderner, autonomer KI-Agent, der im Dezember 2025 für rund 2 Milliarden USD von Meta Platforms übernommen wurde. Seit letzter Woche ist Manus AI direkt in der Facebook-Hauptnavigation verlinkt.
Meta hat Großes vor: Mit Manus AI soll es möglich sein, Werbekampagnen samt Landingpages vollautomatisch aufsetzen und optimieren zu lassen. Sobald der KI-Agent „losrennt“, kann er – je nach Budget – dutzende Landingpages und Werbefunnel autonom testen und anschließend Bericht erstatten.
Eine weitere Funktion wird wie folgt beworben: „Erstelle eine Website ohne Programmierung.“ Dieser Website-Builder wirkt weitaus mächtiger, als ich es von IONOS, GoDaddy oder Wix.com kenne. Mir wird klar: KI-Plattformen sind die nächste Generation des Vertriebskanals für das Webhosting-Business. Im Zentrum steht die Website; das Hosting selbst wird zur Nebensache. Der Livegang erfolgt per Knopfdruck in der Cloud.
Mein Fazit: IONOS ist existenziell bedroht. Meta hingegen sehe ich als einen der großen Gewinner der KI-Revolution.