Schönes Wochenende, liebe Börsianer. Mein Nachbar fragte mich gestern, ob ich auch verkauft habe. Ich schaute etwas verdutzt.
Ich habe keine Ahnung, ob es eine Woche oder einen Monat dauert, um die Straße von Hormus für die großen Öltanker wieder befahrbar zu machen. Ich weiß nur, dass es passieren wird, und dann wird der Aktienmarkt wieder nach oben schießen.
Der Blick auf das große Ganze hilft. Letzte Woche erschien das neue Jahrbuch „UBS Global Investment Returns Yearbook 2026“. Ich habe es in den Kommentaren verlinkt. Das Jahrbuch bietet Daten aus bis zu 126 Jahren in 35 verschiedenen Märkten und analysiert die langfristige Wertentwicklung von Aktien, Anleihen, Geldmarktpapieren, Währungen und Gold seit 1900. Die Publikation gilt als maßgebliche Quelle für historische Anlagerenditen.
Die durchschnittliche Inflation in den USA betrug seit dem Jahr 1900 moderate 2,9 %. Aber was bedeutet das? 1 US-Dollar im Jahr 1900 entsprach der gleichen Kaufkraft wie heute etwa 38 US-Dollar.
Eigentlich braucht man nur Aktien: US-Aktien stiegen seit dem Jahr 1900 real um 6,6 % pro Jahr. Anleihen folgen abgeschlagen mit 1,6 % pro Jahr. Interessant fand ich, dass Gold von 1900 bis 1971 negative Realrenditen verzeichnete. Erst nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971 erzielte Gold als Anlageklasse gute Renditen und stieg seitdem real um 4,7 % pro Jahr.
Der US-Dollar wurde zur globalen Leitwährung erklärt. Er war fest an Gold gebunden. Alle anderen Währungen wiederum hatten einen festen Wechselkurs zum Dollar. Damit war der Dollar „so gut wie Gold“. Seit 1971 leben wir im Zeitalter des Fiat-Geldes (lateinisch fiat = „es werde“). Und seit eben diesem Jahr verzeichnet Gold positive Realrenditen.
Eine Währung ist nicht mehr durch physische Rohstoffe gedeckt. Zentralbanken können die Geldmenge theoretisch unbegrenzt ausweiten. Im Lehrbuch steht: „Der Wert des Geldes basiert rein auf dem Vertrauen in die Stabilität des Staates und der Zentralbank, die es herausgibt.“
Wobei ich an dieser Stelle tiefer in die Währungstheorie eintauchen möchte. Denn diese Lehrbuchmeinung ist unvollständig. Im Kern entsteht der Wert einer staatlichen Währung dadurch, dass jeder Bürger seine Steuern in dieser Währung bezahlen muss. Wer keine Steuern bezahlt, wandert ins Gefängnis. Der Zwang, Steuern abzuführen, begründet eine kontinuierliche Nachfrage nach der offiziellen Währung.
Ratschlag für alle, die ihr Vermögen sicher durch die Jahrzehnte bringen wollen: Aktien kaufen. Gold kaufen. Von Krisen nicht verunsichern lassen.
Viele Grüße
Simon Betschinger
Link zu „Global Investment Returns Yearbook 2026“:
https://www.ubs.com/content/dam/assets/wm/static/cio/documents/giry2026-summary-public.pdf
(Zusammenfassung, abgerufen ab 07.03.2026)