Schönen Mittag, liebe Börsianer. Heben als Nächstes die Biotech-Aktien ab? Ich glaube: Ja. Bisher ist fast ausschließlich die Chipbranche der große Gewinner der KI-Revolution. Eventuell lassen sich noch der Banken- und der Versicherungssektor zu den Profiteuren zählen, da sie ihre Verwaltungskosten mithilfe von KI drastisch senken.
Bestes Beispiel aus meinem eigenen Depot: Mein Dauerinvestment Allianz marschiert von einem Allzeithoch zum nächsten. Allerdings eilt der Kurs der fundamentalen Gewinnentwicklung inzwischen ein Stück voraus. Mit einem KGV25 von 15,2 ist die Allianz-Aktie so teuer wie seit 2001 nicht mehr. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 galt der Versicherer als echter Wachstumschampion – damals billigte der Markt der Aktie ein KGV von etwa 30 zu. Die letzten zehn Jahre waren dagegen die klassische Value-Epoche der Allianz, in der das KGV um die 11 pendelte. Nun aber kehrt dank KI wieder die Wachstumsfantasie in den Kurs zurück.
Im Biotech-Sektor sehen wir derzeit ein ganz ähnliches Muster. Der Nasdaq Biotech-Index ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und nimmt spürbar Fahrt auf. Es wirkt, als antizipiere die Branche bereits die gigantischen Produktivitätsgewinne durch künstliche Intelligenz. Die Effizienzsteigerungen dürften laut Fallstudien monumental ausfallen.
Das dänische Pharmaunternehmen Novo Nordisk nutzt die KI-Plattform von Claude, um die Erstellung komplexer klinischer Studienberichte weitgehend zu automatisieren. Die Fallstudie ist auf der Website von Anthropic abrufbar. Novo Nordisk spricht von 300 Seiten langen klinischen Studien, an denen früher ein Team aus medizinischen Fachkräften monatelang arbeiten musste. Claude erstellt den Entwurf in nur 15 Minuten. Atemberaubend.
Dario Amodei, der CEO von Anthropic, ist felsenfest davon überzeugt, dass KI die gesamte Medikamentenentwicklung revolutionieren wird. Ein Schlüssel liegt in präzisen KI-Vorhersagen darüber, wie Moleküle designt werden müssen, um an Zielproteine anzudocken. Amodei schreibt in seinem viel beachteten Essay:
„Ich glaube, dass KI die Rate, mit der wir Krankheiten bekämpfen, massiv beschleunigen wird… Ich wage die Vorhersage, dass die biologische und medizinische Wissenschaft durch KI in wenigen Jahren das erreichen wird, wofür der Mensch sonst 50 bis 100 Jahre gebraucht hätte… Ich erwarte, dass wir bis in die 2030er-Jahre hinein in der Lage sein werden, die meisten Infektionskrankheiten zu eliminieren und fast alle Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und genetische Defekte effektiv zu heilen oder zu verhindern.“
Mein Fazit: Der Biotech-Sektor könnte sich als der ultimative Nutznießer der KI-Technologie entpuppen. Während die Hardware-Produzenten (wie Nvidia) die Schaufeln für den Goldrausch liefern, fangen die Biotech-Unternehmen jetzt an, das Gold tatsächlich zu schürfen.
Ich positioniere mich für dieses Szenario über den iShares Nasdaq US Biotechnology ETF (WKN: A2DWAW) und setze zusätzlich auf zwei ausgewählte Einzelaktien. Die angehängte Tabelle zeigt die 10 größten Aktien des ETFs. Fast alle Biotechfirmen arbeiten hochprofitabel und werden mit moderaten KGVs bewertet.
