Guten Morgen, liebe Börsianer. Der parabolische Höhenflug des Goldpreises setzt sich fort. Plus vier Prozent zeigt der Ticker heute Morgen. Das ist Goldwahnsinn. Meine Goldbestände (ich halte Gold über ETCs) wachsen derzeit deutlich schneller als mein Aktienportfolio. Die naheliegende Frage lautet: Wann verkaufe ich?
Gar nicht, denke ich. Ich plante bislang, jährlich zwischen 2 % und 3 % meiner Goldbestände für privaten Konsum zu entnehmen.
Einmal im Jahr überprüfe ich meine Vermögensstruktur und entscheide, welche Anlageklasse welches Gewicht haben soll. Dieses Denken in Allokationen hat einen großen Vorteil: Es befreit von hektischen Timing-Entscheidungen. Investieren wird dadurch erstaunlich entspannt.
Und doch ertappte ich mich heute Morgen, beim Blick auf die parabolische Kurve, für einen kurzen Moment beim Träumen. Sollte Gold tatsächlich um weitere 80 Prozent auf 10.000 US-Dollar steigen, wäre eine Umschichtung in Immobilien rational. Nicht aus Euphorie, sondern aus Relativität: Der Preisabstand zwischen zwei vermeintlich „sicheren“ Assetklassen hätte sich schlicht zu stark verschoben.
Gold ist knapp. Und Kapital ist nervös. Immer mehr Vermögende zweifeln an der Sicherheit von US-Staatsanleihen. Jahrzehntelang galt ein scheinbar unumstößliches Dogma: Wer sein Geld zu 100 Prozent sicher parken will, kauft US-Treasuries. Dieses Dogma beginnt zu bröckeln.
Rund 200.000 Tonnen Gold wurden bislang weltweit gefördert. Schätzungen zufolge liegen noch etwa 52.000 bis 64.000 Tonnen als wirtschaftlich abbaubare Reserven im Boden. Würde man alles jemals geförderte Gold einschmelzen, entstünde ein Würfel mit einer Kantenlänge von gerade einmal 22 Metern. Mehr ist es nicht.
Die Gold-Manie ist deshalb weniger Spekulation, sondern vielmehr Signal. Sie ist ein Finanzseismograph und er schlägt aus: Das Großkapital hat Angst.