Guten Morgen, liebe Börsianer. Ende 2012 trat die Apple-Aktie in eine ausgeprägte Korrekturbewegung ein und fiel von 25 auf 15 USD. Der intellektuell schwächste Moment meines Börsianerlebens war rückblickend im Jahr 2013, als ich besserwisserisch argumentierte, warum ich die Apple-Aktie zu einem 12er-KGV nicht kaufe.
Apple war 2013 tatsächlich außergewöhnlich günstig bewertet. An der Wall Street wurde diese niedrige Bewertung heiß diskutiert. Im dritten Quartal desselben Jahres begann der aktivistische Investor Carl Icahn damit, Apple-Aktien zu kaufen und machte öffentlich Druck, weil er die Bewertung für deutlich zu niedrig hielt.
Rund um den 13. August 2013 erwarb Icahn seine ersten Anteile und teilte noch am selben Tag via Twitter mit, eine große Position aufgebaut zu haben. Insgesamt investierte er zunächst etwa 1,6 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen.
Ich habe alle großen Tech-Aktien im Depot: Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta und NVIDIA. Nur Apple fehlt.
Was geschah im Jahr 2013? Einer unserer Praktikanten hatte eine Bachelorarbeit über Apple geschrieben und kam zu dem unweigerlichen Fazit – ohne jeden Zweifel –, dass die Apple-Aktie ein klarer Kauf sei. Ja, natürlich, wie recht er damit hatte.
Aber manchmal lässt man sich in eine Rolle hineindrängen. Wenn jemand völlig ohne Zweifel argumentiert, neigt man dazu, aus Trotz oder intellektuellem Ehrgeiz die Gegenposition einzunehmen.
So ertappte ich mich dabei, wie ich unserem Praktikanten damals einen kleinen Vortrag über effiziente Märkte hielt. In der Rolle des belehrenden Chefs erklärte ich, dass es an der Börse keine Gewissheiten gebe und dass selbst ein niedriges KGV wie das von Apple durchaus einen Grund haben könne.
Heute möchte ich meinem damaligen Ich zurufen: Hör auf zu theoretisieren. Schau dir an, was für ein großartiges Produkt das iPhone ist und kauf einfach die mit einem KGV von 12 lächerlich günstig bewertete Apple-Aktie!
Einerseits ist richtig: Viele Menschen haben viel Geld verloren, weil sie sich in weltfremder Hybris auf Einzelaktien versteiften.
Andererseits ist richtig: Viele Menschen haben große Gewinne verpasst, weil sie – mit dem Wissen um die Markteffizienz – großartige Chancen, die sie richtig erkannten, links liegen gelassen haben.
Die Lösung ist einfach: Ich empfehle jedem Anleger, ein Basisdepot mit Welt-ETFs zu pflegen und ein Depot für Aktieninvestments zu reservieren. In dem Aktiendepot kann man dann solche Chancen wie Apple im Jahr 2013 nutzen.