Schönen Mittag, liebe Börsianer. Mein heutiger Börsengruß wird vielen nicht gefallen. Denn ich schreibe negativ über die PayPal-Aktie, die bei Anlegern immer noch sehr beliebt ist. Ich möchte auf die Fallstricke hinweisen, auf die man beim Investieren in Value-Aktien achten muss.
Wenn eine Value-Bewertung auf unerwartetes Wachstum trifft, können sich Aktien vervielfachen. Darum sollten Screening-Prozesse nach Value-Aktien zum Standardprozess jedes aktiven Portfoliomanagers zählen.
Man erlebt Kursvervielfachungen, die von einer niedrigen Bewertung starten, in der Kapitalmarkt-Wirklichkeit sehr viel häufiger, als dass hoch bewertete Wachstumsaktien durch die Decke gehen. Beispiel: Die Ciena-Aktie hat sich innerhalb eines Jahres verzehnfacht. Das KUV lag Ende 2023 bei nur 1,4. Ich teile übrigens die Meinung von James O’Shaughnessy, dass das KUV der König der Value-Faktoren ist.
PayPal wird auf Basis des letzten Geschäftsjahres mit einem KGV von 9,45 bewertet. Das hat Value-Charakter. Ich kaufe die Aktie dennoch nicht, weil ich glaube, dass eine sogenannte Value-Trap vorliegt. Nicht jede Niedrig-KGV-Aktie ist ein Schnäppchen. Manchmal ist eine Aktie aus gutem Grund billig – zum Beispiel, weil das Geschäftsmodell veraltet ist (man denke an Schreibmaschinenhersteller im Computerzeitalter).
Bei PayPal sehe ich langfristig keine Möglichkeit, wie die Firma dem Wettbewerbsdruck durch Apple Pay, Google Pay und einfache Check-out-Lösungen von Banken entkommen kann. Ich persönlich kaufe über Amazon ein oder – in den seltenen Fällen, wenn ich auf anderen Online-Shops etwas benötige – wähle ich Apple Pay. Das ist genial gemacht. Meine Lieferanschrift wird automatisch übergeben. Der Check-out per Face ID dauert nur wenige Sekunden. PayPal wird sukzessive von Google und Apple verdrängt, schätze ich.
Als „echte“ Value-Aktie betrachte ich die Munich Re mit einem erwarteten KGV von 11,3 für dieses Geschäftsjahr und einer Dividendenrendite von 4,5 %. Ich bin investiert. Hier bekomme ich als Investor ein gutes Unternehmen zu günstigen Preisen. Das Unternehmen profitiert paradoxerweise von einem schwierigen Umfeld. In Zeiten steigender Schadensrisiken (Klimawandel, Cyberkriminalität) steigt die Nachfrage nach Rückversicherungen. Zudem verdient die Münchener Rück durch die höheren Zinsen wieder deutlich mehr mit ihren gigantischen Kapitalanlagen. Es ist ein „langweiliges“, aber hochprofitables Geschäft mit einer sehr starken Marktposition.
Tipp: Es gibt eine einfache Möglichkeit, das Risiko zu reduzieren, Opfer einer Value-Trap zu werden. Ich kombiniere niedrige Bewertungen mit einem einfachen Trendkonzept und kaufe Value-Aktien am liebsten dann, wenn sie bereits zu steigen beginnen.
Gestern habe ich zur Mittagszeit ein Webinar über das Thema „Trending Value“ gehalten und gezeigt, wie man Trending-Value-Aktien gezielt screenen kann. Es gab fast 1.000 Anmeldungen. Das Zeitfenster von 12:00 bis 12:30 Uhr ist sehr beliebt. Die Aufzeichnung habe ich auf YouTube bereitgestellt. Den Link finden Sie in den Kommentaren.
In dieser Webinaraufzeichnung bei Youtube zeige ich wie man nach Value-Aktien screent.
