Guten Morgen, liebe Börsianer. Der massive Abverkauf im Softwaresektor gewinnt an Dynamik. Gestern traf es IBM mit einem Kurssturz von 13 %. Die Ursachen sind fundamental: Tools wie Claude Code sind mittlerweile in der Lage, jahrzehntealte Legacy-Softwarearchitekturen effizient auf moderne Systeme zu transferieren.
Auch bei Schwergewichten wie Autodesk und Salesforce beschleunigt sich die Talfahrt. Die aktuellen Charts gleichen einem Stein im freien Fall. Börsianer erkennt, dass such Freelancer-Plattformen wie Upwork oder Fiverr keine Daseinsberechtigung im KI-Zeitalter haben. Wer benötigt noch einen Freelancer, wenn Gemini auf Zuruf alles erledigt?
Man darf die Börse nicht unterschätzen. Sie ist eine hocheffiziente kollektive Intelligenz, deren Preise die Erwartungen an die Zukunft reflektieren. Es wäre naiv, jede drastische Kursbewegung sofort als Marktirrtum abzutun. Ich bin überzeugt: Die Softwarebranche wird in fünf Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein. Der Markt liegt mit seiner Neubewertung digitaler Geschäftsmodelle in der Summe vermutlich richtig.
Mark Zuckerbergs strategischer Hebel heißt Manus AI. Interessanterweise spielt dieser Meltdown Mark Zuckerberg in die Karten. Für den Meta-Konzern ist die aktuelle Disruption keine Bedrohung, sondern eine massive Opportunität. Mit Manus AI arbeitet Meta an einer Software-Generation, die konsequent auf KI-Agenten basiert.
Schon seit Jahren betont Zuckerberg in den Earnings Calls die Notwendigkeit, Meta für „The Next Wave of Computing“ zu positionieren. Besonders die Dominanz von Apple im Smartphone-Sektor ist ihm seit langem ein Dorn im Auge, da Apple bei fast allen digitalen Umsätzen mitverdient.
Nachdem das ursprüngliche Metaverse-Vorhaben mit VR-Headsets die hohen Erwartungen bisher nicht erfüllen konnte, bietet sich nun eine zweite Chance: Mit einer agentenbasierten Softwarearchitektur baut Zuckerberg ein Ökosystem auf, das nativ für das KI-Zeitalter geschaffen ist. Über die Facebook-Applikation verfügt er zudem über den direkten Zugang zu Milliarden von Nutzern. Das Potenzial für mein Meta-Investment beurteile ich daher weiterhin sehr positiv.
Gleichzeitig reift in mir die Erkenntnis, dass der Ausverkauf bei SAP eine seltene Kaufgelegenheit bietet. Während der Sektor korrigiert, wird auch SAP mit in die Tiefe gezogen. Doch hier liegt ein fundamentaler Unterschied vor: SAP ist weit mehr als eine gewöhnliche Software. SAP liefert das digitale Betriebssystem moderner Konzerne.
Der „Burggraben“ ist hier die Komplexität: Das Risiko, SAP-Strukturen operativ zu ersetzen, ist für die meisten Unternehmen schlichtweg zu groß. Niemand riskiert einen Systemwechsel im laufenden Betrieb, solange die Prozesse stabil laufen.
Wann ist der richtige Kaufzeitpunkt gekommen? Bei 150 €. Eventuell bei 130 €, wenn sich die disruptive Panik ausbreitet.