Wer überlebt die KI-Revolution?

Guten Morgen, liebe Börsianer. Die Begeisterung der Wall Street über die Chancen der Künstlichen-Intelligenz-Revolution hat in nackte Angst umgeschlagen. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr: Wer profitiert? Sondern: Wer überlebt?

Ein Blick auf die Kurszettel zeigt die tektonische Verschiebung bei den favorisierten Sektoren. Der Dow-Jones-Wert Caterpillar, Hersteller schwerer Maschinen für die reale Welt, hat in zwölf Monaten 100 % zugelegt. Dagegen ist Salesforce im selben Zeitraum um 46 % eingebrochen. Reale Produkte schlagen digitalen Code.

Auslöser der jüngsten Verkaufswelle bei Softwareaktien ist ein neuer KI-Agent namens OpenClaw. Anders als klassische Chatbots, die nur antworten, handelt dieser. Er klickt, programmiert, organisiert, vollkommen autonom am Computer. Ein digitaler Mitarbeiter, der 24 Stunden am Tag arbeitet. Wenn KI Software künftig selbst bedient, braucht es dann noch so viele Softwareanbieter?

NVIDIA-CEO Jensen Huang zeigt sich irritiert über den Ausverkauf. Seine implizite These nenne ich ab sofort die „Tool Theory“: Software bleibt Werkzeug. KI ersetzt sie nicht, sie nutzt sie. Eine hochentwickelte Künstliche Intelligenz werde Salesforce nicht nachbauen, sondern Salesforce einsetzen, um Aufgaben effizienter zu erledigen. KI als Anwender, nicht als Disruptor.

Doch der Markt zweifelt.

Auch in Deutschland macht sich Nervosität breit. Die Ionos-Aktie halbierte sich nahezu von 42 auf 22 Euro. Das KGV 26e liegt nur noch bei 11,5. Investoren fürchten, dass selbst das vermeintlich stabile Webhosting-Geschäft unter Druck gerät. Alphabet bietet bereits an, KI-generierte Webprojekte direkt über die Google Cloud online zu bringen. OpenAI hostet noch keine mit ChatGPT erstellten Websites, aber es wäre unrealistisch zu glauben, dass das so bleibt.

Während Softwarewerte wanken, laufen andere Sektoren weiter. Hotelaktien wie Marriott setzen ihre Hausse fort. Die Logik dahinter ist simpel: Wenn KI und humanoide Roboter die Produktivität explodieren lassen, steigt der Wohlstand. Und mit ihm der Wunsch zu reisen. Millionen Menschen in Asien steigen Jahr für Jahr in die gehobene Mittelschicht auf. Sie werden Paris, New York und Rom sehen wollen.

Mit über 30 Marken – von Marriott Hotels & Resorts über Sheraton und W Hotels bis Ritz-Carlton – und fast 10.000 Häusern weltweit ist Marriott strategisch hervorragend positioniert. Die KI-Revolution vernichtet nicht pauschal Geschäftsmodelle. Sie sortiert neu. Digitale Werkzeuge stehen auf dem Prüfstand. Reale Assets erleben ein Comeback.

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