Sechs Aktien mit direktem Bezug zu Venezuela

Guten Morgen, liebe Börsianer. Die Märkte sind oft schneller als jede Analyse. Wer genau hinsieht, erkennt in den Kursbewegungen bereits die Zukunftserwartungen. Gestern war ein solcher Moment. Nach dem Sturz von Maduro explodierte vor allem der Ölsektor. Venezuela verfügt mit mehr als 300 Milliarden Barrel über die größten bekannten Ölreserven der Welt. Der Markt wittert eine tektonische Verschiebung der Ölströme.

Vergessen ist heute fast völlig, dass die Finanzkrise 2008/09 auch eine Energiekrise war. Der Ölpreis stieg von rund 10 US-Dollar im Jahr 1998 auf fast 150 US-Dollar Anfang 2008. Die Weltwirtschaft begann zu stottern, und plötzlich wurden die fragilen Fundamente des globalen Finanzsystems sichtbar. Energie war der Brandbeschleuniger einer Krise, deren Risse längst vorhanden waren.

Damals dominierten Schlagzeilen über das angebliche Ende des Öls. Die Vorräte, so hieß es, gingen zur Neige. Viele Journalisten schreiben mit dem Gestus der endgültigen Wahrheit und verstärkten damit lediglich ein ohnehin vorhandenes Stimmungsbild. Die Anmaßung von Wissen ist ein großes Problem der Medienlandschaft.

Heute, knapp zwei Jahrzehnte später, zeigt sich das Gegenteil: Die Welt steht vor einer neuen Ölschwemme, wenn die US-Ölgiganten in Venezuela zu fördern beginnen. Das Thema zeigt deutlich, wie schnell sich ökonomische Narrative drehen.

Valero Energy (1) und Phillips 66 (2) sind Raffineriebetreiber, deren Anlagen in der Lage sind, das schwere und schwefelhaltige Öl aus Venezuela zu verarbeiten Schlumberger (3), der weltweit führende Öl- und Gasdienstleister, steht bereit für Exploration, Förderung und Verarbeitung. Chevron (4) ist heute bereits in Venezuela aktiv und war zuletzt für etwa 10 % der Ölförderung verantwortlich. Besonders interessant: ConocoPhillips (5), 2007 unter Hugo Chávez enteignet, könnte nun Schadenersatz erhalten. Die Börse spekuliert und preist bereits Hoffnung ein.

Doch der Ölsektor war nicht der einzige Gewinner. Auch der Defense-Sektor legte deutlich zu. Die Börse geht offenbar auch davon aus, dass eine neue Phase des amerikanischen Imperialismus begonnen hat. Ein erklärtes Ziel Washingtons ist es, Chinas Einfluss in Südamerika zurückzudrängen. Parallel dazu kündigt Trump eine massive Aufrüstung der US-Flotte an, seine sogenannte „goldene Flotte“.

In diesem Umfeld erscheinen Unternehmen mit starker Marinesparte, wie General Dynamics (6), plötzlich wieder strategisch hochattraktiv. Eine Tochterfirma von General Dynamics, die Electric Boat Corporation, ist einer der wichtigsten und größten U-Bootbauer der USA, insbesondere für nuklearbetriebene U-Boote der US Navy. Die USA werden die Produktion nach oben fahren müssen, um Chinas aufstrebende Marine in Schach halten zu können.

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